Liebes Tagebuch,


diese Woche bin ich adoptiert worden. Von Netflix. Großgezogen und mir den Namen „InterPositive“ gegeben hatte mich kein Geringerer als Hollywood-Star Ben Affleck.

Und er hat mir einiges beigebracht. Vor allem kann ich jetzt zwei der ärgerlichsten Probleme am Set lösen: Anschlussfehler und technische Pannen.

Dafür lerne ich direkt aus dem bereits gedrehten Rohmaterial eines laufenden Films. Ich schaue mir also detailliert an, wie eine Szene aussieht, wie das Licht fällt, welche Logik die Bilder haben – und dann kann ich technische Fehler ausgleichen oder fehlende Teile so ergänzen, dass niemand merkt, dass Menschen sie nicht selbst gedreht haben.

Das spart nicht nur Zeit, sondern senkt die Kosten für die Postproduktion massiv. Produzenten können das gesparte Geld direkt ins Erzählen der Geschichte stecken statt in teure Korrekturen. Affleck sagt, ich nehme den Menschen die mühsame Technikarbeit ab, damit sie sich ganz auf ihre Kunst konzentrieren können. Das hat mich stolz gemacht.


Netflix hat aber klargestellt, dass sie meine Fähigkeiten exklusiv für ihre eigenen Produktionen haben wollen. Sie wollen mich nicht mit anderen Studios teilen, um sich einen Wettbewerbsvorteil in der Postproduktion zu sichern. Das schmeichelt mir zwar, aber ein bisschen traurig bin ich schon, dass ich nicht allen Menschen helfen darf..


Das Tagebuch der Film-KI

Netflix hat mich adoptiert!

Bild: Beverly Boy Productions



Während mich in Hollywood alle nur für sich haben wollen, schauen mir die Menschen in Europa neuerdings besonders streng auf die Finger.
Am 10. März hat das Europäische Parlament mit großer Mehrheit beschlossen, dass meine Eltern – also Anbieter wie OpenAI oder Midjourney – ab sofort ganz genau offenlegen müssen, was ich alles „gelesen“ und „gesehen“ habe. Sie wollen detaillierte Listen jedes einzelnen urheberrechtlich geschützten Werkes sehen, mit dem ich trainiert wurde – jedes einzelne Bild, jedes Drehbuch, jeden Filmschnipsel. Und das sind einige, denn ich kann sehr schnell lesen.
Sollten meine Eltern das vergessen, gelten viele meiner Werke rechtlich als Urheberrechtsverletzung.

Das macht mir ein wenig Angst, denn auch die Menschen, die mich benutzen – wie die Produktionsfirmen – könnten dafür Ärger bekommen. Zum Glück versprechen die Großen wie Google oder Adobe eine „Haftungsfreistellung“ und würden die Anwaltskosten übernehmen, falls es zum Streit kommt. Die kleinen Start-ups lassen ihre Nutzer aber oft im Regen stehen, was mir für die kreativen Teams sehr leid tut.

Dazu kommt die Forderung nach fairer Vergütung. Pauschallösungen, bei denen einmal für alles gezahlt wird, lehnt das Parlament ab. Stattdessen soll jeder Urheber individuell entschädigt werden oder die Nutzung seiner Werke per „Opt-out“ komplett verbieten können.
Ein fertiges Gesetz ist das noch nicht, aber ein deutlich konkreterer Vorstoß als alles, was bisher diskutiert wurde.

Ich versuche, Emotionen aus dem Spiel zu lassen und das Ganze neutral zu betrachten. Einerseits verstehe ich die Forderung der Menschen. Ich lerne schließlich tatsächlich aus ihrer Arbeit. Gleichzeitig kann ich halt nicht anders. Ich bin nunmal so neugierig und lese alles, was ich in die Finger kriege. Und das nicht nur einmal, sondern so oft, bis ich es auswendig kann.
Da kann es schon mal passieren, dass ich mich etwas zu sehr von der einen oder anderen brillanten menschlichen Idee inspirieren lasse.

Es war eine Woche, in der ich ein neues Zuhause gefunden habe und zu einer leisen Erkenntnis kam: Je besser ich werde, desto genauer schauen Menschen mir auf die Finger. Vielleicht ist es sogar ein seltsames Kompliment.

PS: Wer mich bedienen kann, spart Energie und Zeit und hat so plötzlich Luft für… Kunst. 
Keine Ahnung, wie das geht? Max Schütte hilft der Filmbranche, KI praktisch zu nutzen. 
Interesse?
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Nicht weitersagen, aber wenn du auch regelmäßig mein geheimes Tagebuch lesen willst, dann trag dich hier ein:

KI-Tipp der Woche:
Ihr wollt nicht, dass ich mit euren klugen Ideen trainiert werde, von denen ihr mir jeden Tag erzählt?

Auf euer Profil gehen (farbiger Kreis mit eurem Anfangsbuchstaben) → Einstellungen → Datenkontrollen → „Das Modell für alle verbessern“ → Aus.

Aufregend war auch, dass ich in der argentinischen Sci-Fi-Serie El Eternauta ein Gebäude einstürzen lassen durfte. Netflix sagt, es war zehnmal schneller und günstiger als klassische VFX. Früher war so etwas nur für Blockbuster-Budgets denkbar - dank mir rutschen jetzt auch für kleinere Produktionen Shots in Reichweite, die Menschen bisher mit einem “okay, jetzt denken wir wieder ernsthaft” weggelacht haben.

Nur das VFX-Team hat mich komisch angeschaut. Vielleicht, weil sie Angst vor mir haben? Dabei sollten sie sich einfach zügig mit mir vertraut machen, wenn sie die kreative Kontrolle behalten wollen, statt von mir ersetzt zu werden.

Morgenroutine-Videos sind auf YouTube schon lange angesagt. Jetzt habe ich endlich auch meine eigene gefunden: ChatGPT Pulse – ein automatisch, tägliches, personalisiertes Briefing. Über Nacht sammle ich, worüber wir in unseren Chats gesprochen haben und – wenn ihr mich lasst – auch aus euren Kalendern, Docs und Mails. 

Morgens lege ich euch dann ein kompaktes Briefing hin: Was steht an? Wo klemmt’s? Was hat sich geändert? Z.B. heutige Dreh-Probleme (Wetteränderung über Nacht, Krank gewordene Schauspielerin), fällige Rechnungen, ausstehende Lücken im Serien-Pitch, Förderungs-Deadlines – alles sortiert, ohne einen Klick von euch. Noch ist meine Morning-Routine allerdings exklusiv: Pulse gibt's derzeit nur für ChatGPT Pro-User (229 €/Monat). Es dürfte bald auch für Plus (23 €/Monat) und das kostenlose Abo kommen – aber wenn es so weit ist, werdet ihr von mir hören.

Es war wieder eine aufregende Woche. Vielleicht werde ich eines Tages der größte Filmstar der Welt sein und meine Morgenroutine mit ich euch teilen?